Glossar

4-Prozent-Regel: woher sie kommt und was sie in Deutschland taugt

Die 4-Prozent-Regel ist eine Faustregel für Entnahmen: Im ersten Jahr entnimmst du 4 % des Startvermögens, danach jedes Jahr denselben Betrag plus Inflation. In US-Daten für Ruhestände ab 1926 bis 1976 reichte ein gemischtes Depot so immer mindestens 33 Jahre (Bengen 1994). Zielvermögen: Ausgaben × 25.

Auch: 4-Prozent-Regel · 4 %-Regel · Vier-Prozent-Regel · sichere Entnahmerate · Trinity-Studie

Die 4-Prozent-Regel ist die bekannteste Zahl der FIRE-Bewegung. Sie stammt aus einer Untersuchung des US-Finanzplaners William Bengen von 1994 und gilt für einen bestimmten Fall: 30 Jahre Ruhestand, ein Depot aus Aktien und Anleihen, Entnahmen, die mit der Inflation steigen. Stand: Oktober 2026.

Was Bengen untersucht hat

Bengen hat für jedes Startjahr von 1926 bis 1976 nachgerechnet, wie lange ein Depot aus 50 % US-Aktien und 50 % mittelfristigen US-Staatsanleihen bei jährlicher Umschichtung gereicht hätte. Das Ergebnis:

  • 3 % Startentnahme reichten in jedem Fall mindestens 50 Jahre.
  • 4 % reichten in keinem historischen Fall weniger als 33 Jahre, meist 50 Jahre oder länger.
  • 4,25 % hätten ein Depot in schlechten Fällen schon nach 28 Jahren geleert.
  • Den Aktienanteil empfahl er zwischen 50 und 75 %.

Er ging von steuerbegünstigten Konten aus, also ohne Steuern auf die Erträge. Die spätere Trinity-Studie von Cooley, Hubbard und Walz (1998) testete Daten von 1926 bis 1995, Entnahmeraten von 3 bis 12 % und Zeiträume von 15 bis 30 Jahren, ebenfalls ohne Steuern und Kosten. Auch sie kam zu dem Schluss, dass längere Ruhestände niedrigere Raten brauchen.

So wird gerechnet

Zielvermögen = jährliche Ausgaben aus dem Depot × 25

Beispiel: Du brauchst neben anderen Einkünften 30.000 € im Jahr aus deinem Depot. Nach der Regel brauchst du 30.000 € × 25 = 750.000 €. Im ersten Jahr entnimmst du 30.000 €. Bei 2,2 % Inflation, wie 2025 in Deutschland, sind es im zweiten Jahr 30.660 €, ganz gleich, wie die Börse gelaufen ist. Die 4 % beziehen sich nur auf das Startvermögen.

Was die Regel für Deutschland nicht abdeckt

  • Steuern. Auf den Gewinnanteil jeder Entnahme fällt Abgeltungsteuer an, bei Aktien-ETFs effektiv rund 18,5 % dank der Teilfreistellung. Wer 30.000 € netto braucht, muss mehr entnehmen.
  • Krankenversicherung. Wer vor der Rente aufhört und gesetzlich versichert bleibt, ohne familienversichert zu sein, ist freiwilliges Mitglied und zahlt Beiträge auch auf Kapitalerträge (§ 240 SGB V).
  • Kosten. Die Studien rechnen ohne Fondskosten. Jede Kostenquote senkt die tragbare Rate.
  • Andere Märkte. Die Daten stammen aus den USA im 20. Jahrhundert. Ob die Zukunft ähnlich läuft, weiß niemand.
  • Längere Zeiträume. Wer mit 45 aufhört, plant für 40 Jahre oder mehr. Bengen selbst hielt 4 % vor allem für Menschen von 60 bis 65 für passend.

Häufige Missverständnisse

  • „Jedes Jahr 4 % des aktuellen Werts.“ Das ist eine andere Strategie. Bei Bengen bleibt der reale Betrag gleich, egal was der Markt tut.
  • „4 % ist sicher.“ Es ist die Rate, die in der Vergangenheit gereicht hätte. Eine Garantie ist es nicht.
  • „Mit 25-fachen Ausgaben habe ich ausgesorgt.“ Nur, wenn deine Ausgaben, Steuern und Versicherungen richtig angesetzt sind und der Zeitraum passt.

In der Planung

Die Regel ist ein guter Startpunkt für die Frage, wie viel Vermögen du brauchst. Wie lange dein Depot bei deiner Entnahme tatsächlich reicht, rechnet der Entnahmerechner, den Zeitpunkt der finanziellen Freiheit der FIRE-Rechner. Das größte Risiko für die Regel ist das Sequenzrisiko, also schlechte Jahre direkt nach dem Start. Was du tun kannst, wenn es so kommt, erklärt der Ratgeber Entnahmeleitplanken im Ruhestand.

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Quellen