Mit 60 in Rente zu gehen heißt in Deutschland, drei bis sieben Jahre ohne gesetzliche Rente zu finanzieren. Danach entscheidest du zwischen einer Rente mit 63 mit lebenslang 14,4 % Abschlag und der vollen Rente mit 67. Im Rechenbeispiel braucht eine alleinstehende Person mit 3.000 € Ausgaben im Monat mit 60 je nach Entscheidung rund 670.000 bis 710.000 €.
Mit 60 ist die Brücke kurz genug, um sie genau zu planen. Schwieriger sind andere Fragen: Wann beantragst du die Rente? Vermeidet ein weiteres Arbeitsjahr den Abschlag? Wie schützt du eine kurze Brücke vor einem Börsenrückgang? Rechtsgrundlagen geprüft am 25. Oktober 2026. Alle Beträge in heutiger Kaufkraft.
Rententermine, wenn du mit 60 aufhörst
Wer 2026 60 wird, ist 1966 geboren. Für alle ab Jahrgang 1964 gilt:
- 63: frühester Beginn der Altersrente nach 35 Versicherungsjahren, mit 0,3 % Abschlag je Monat vor 67 (§ 36 und § 77 SGB VI), also lebenslang 14,4 % weniger.
- 65: abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren (§ 38 SGB VI). Früher geht diese Rente nicht.
- 62: frühester Beginn mit bis zu 10,8 % Abschlag für schwerbehinderte Menschen mit 35 Jahren (§ 37 SGB VI).
- 67: Regelaltersgrenze (§ 35 SGB VI).
Die Brücke dauert also drei Jahre bis 63, fünf Jahre bis 65, wenn du 45 Jahre hast, oder sieben Jahre bis 67. Der Renteneintrittsalter-Rechner zeigt deine Termine und Abschläge.
Mit 60 lohnt ein genauer Blick auf die 45 Jahre. Wer mit 16 eine Ausbildung begonnen hat, hat mit 60 44 Jahre. Ein weiteres Arbeitsjahr kann dann eine abschlagsfreie Rente mit 65 bedeuten statt 63 mit 14,4 % weniger. Arbeitslosengeld in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn zählt nicht für die 45 Jahre, außer der Arbeitgeber ist insolvent oder hat den Betrieb vollständig aufgegeben (§ 51 Abs. 3a SGB VI). Lass deine Jahre von der Deutschen Rentenversicherung bestätigen, bevor du kündigst.
Rechenbeispiel: Thomas hört mit 60 auf
Thomas ist 1966 geboren. Er hat 40 Versicherungsjahre und 40 Rentenpunkte. Seine Rente aus den bisherigen Beiträgen beträgt also mit 67 brutto 40 × 42,52 € = 1.700,80 € im Monat. Seine Kinder sind erwachsen. Er möchte 3.000 € im Monat ausgeben, ohne Krankenversicherung. Bis zum Rentenbeginn zahlt er als freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung rund 270 € im Monat. Das ist der Mindestbeitrag 2026, berechnet auf mindestens 1.318,33 € im Monat (§ 240 SGB V). Ab Rentenbeginn werden 12,35 % für Kranken- und Pflegeversicherung von der Rente abgezogen.
Wie im Ratgeber zum Ausstieg mit 55 nehmen wir 4 % Rendite und 2 % Inflation an, real also rund 2 %. Ab Rentenbeginn entnimmt Thomas 3,5 % im Jahr für die verbleibende Lücke. Die Einkommensteuer lassen wir weg.
| Rente mit 63 | Rente mit 67 | |
|---|---|---|
| Länge der Brücke | 3 Jahre | 7 Jahre |
| Bruttorente im Monat | 1.455,88 € (−14,4 %) | 1.700,80 € |
| Rente nach Kranken- und Pflegebeitrag | 1.276,08 € | 1.490,75 € |
| Brücke: Ausgaben plus Versicherung | 3.270 € im Monat | 3.270 € im Monat |
| Kosten der Brücke ohne Rendite | 117.720 € | 274.680 € |
| Kosten der Brücke bei 2 % real | 114.449 € | 257.038 € |
| Lücke ab Rentenbeginn | 1.724 € im Monat | 1.509 € im Monat |
| Kapital für diese Lücke bei Rentenbeginn (3,5 %) | 591.057 € | 517.457 € |
| Gesamtbedarf mit 60 | 672.059 € | 708.729 € |
Verglichen mit einem Ausstieg mit 55 ist die Brücke viel kleiner. Bei Thomas ist die spätere Lücke der größere Posten: Der Großteil dessen, was er mit 60 braucht, finanziert die Jahrzehnte nach Rentenbeginn. Deshalb wiegt die Entscheidung über den Rentenbeginn mit 60 schwerer als mit 55.
Rechne mit deinen eigenen Zahlen: im Rentenbrücken-Rechner für die Jahre vor der Rente und im FIRE-Rechner für beide Phasen zusammen. Der Entnahmerechner zeigt, wie lange ein Depot bei einer bestimmten monatlichen Entnahme reicht.
Rente mit 63 oder bis 67 warten?
Bei Thomas kostet der Abschlag lebenslang 244,92 € Bruttorente im Monat. Mit 63 bekommt er dafür 48 Monatsrenten, die er sonst nicht hätte: 48 × 1.455,88 € = 69.882 €. Bei 244,92 € im Monat braucht die volle Rente ab 67 rund 285 Monate, also fast 24 Jahre, um das aufzuholen. Das ist etwa bis zum Alter von 91, noch ohne Zinsen, Steuern und Krankenkassenbeiträge. Das Verhältnis ist bei jeder Rentenhöhe gleich, weil es nur von den 14,4 % abhängt.
Warten lohnt sich also vor allem, wenn du mit einem langen Leben rechnest oder mehr deines Einkommens staatlich statt über das Depot absichern willst. Die Rente mit 63 passt eher, wenn dein Kapital knapp ist, du Gründe für eine kürzere Lebenserwartung hast oder dir das angelegte Geld wichtiger ist. Beides geht auch: Du kannst eine Teilrente von mindestens 10 % der Vollrente beziehen (§ 42 SGB VI) und in Teilzeit weiterarbeiten. Seit 2023 gibt es bei vorgezogenen Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenze mehr.
Die wichtigsten Hebel mit 60
Schütze die kurze Brücke. Brauchst du 114.449 € für drei Jahre, kann ein Börsenrückgang im ersten Jahr empfindlich treffen. Das ist das Sequenzrisiko. Viele legen das Geld für die Brücke mit 60 auf Tagesgeld, Festgeld oder in kurz laufende Anleihen und lassen nur den langfristigen Teil in Aktien.
Arbeite bis 63 in Teilzeit. Mit 60 bist du über eine Teilzeitstelle außerdem krankenversichert und sammelst weiter Rentenpunkte. Schon 1.000 € netto im Monat senken Thomas’ Brücke von 3.270 € auf 2.270 € im Monat. Dazu kommt, dass er die Krankenversicherung dann nicht mehr selbst zahlt.
Gleiche den Abschlag aus. Ab 50 kannst du mit zusätzlichen Beiträgen den Abschlag einer vorgezogenen Rente ausgleichen (§ 187a SGB VI). Dafür brauchst du eine Auskunft der Rentenversicherung und musst erklären, dass du früher in Rente gehen willst. Mit 60 kann es sich lohnen, das mit einer Abfindung zu vergleichen.
Arbeitslosengeld ist begrenzt. Ab 58 und mit 48 Versicherungsmonaten gibt es bis zu 24 Monate Arbeitslosengeld (§ 147 SGB III). Kündigst du selbst oder schließt ohne wichtigen Grund einen Aufhebungsvertrag, droht in der Regel eine Sperrzeit von zwölf Wochen (§ 159 SGB III). Wie oben beschrieben, können diese Monate dich außerdem die Rente nach 45 Jahren kosten.
Oder arbeite über 67 hinaus. Gehen die Zahlen mit 60 nicht auf, macht die Aktivrente das andere Ende attraktiver. Angestellte nach der Regelaltersgrenze behalten bis zu 2.000 € Lohn im Monat steuerfrei (§ 3 Nr. 21 EStG). Sozialversicherungsbeiträge fallen trotzdem an.
Checkliste, bevor du mit 60 aufhörst
- Hol dir eine Rentenauskunft und prüfe, ob du 45 Versicherungsjahre hast oder noch erreichen kannst.
- Rechne die Brücke bis 63, 65 und 67 durch. Entscheide über den Rentenbeginn mit Blick auf das Break-even-Alter.
- Frag deine Krankenkasse nach den freiwilligen Beiträgen und ob du in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) kommst.
- Halte das Geld für die Brücke sicher und verfügbar. Lege das Geld für die spätere Lücke langfristig an.
- Teste niedrigere Renditen und ein längeres Leben. Zur Entnahme lies Wie viel Geld brauchst du für den frühen Ruhestand?, zu Steuern FIRE in Deutschland.
- Vergleiche mit einem früheren Ausstieg: Mit 55 in Rente zeigt, was fünf zusätzliche Brückenjahre kosten.
Selbst nachrechnen
Häufige Fragen
Wie viel Geld brauche ich, um mit 60 in Rente zu gehen?
Im Rechenbeispiel braucht eine alleinstehende Person mit 3.000 € Ausgaben im Monat plus Krankenversicherung mit 60 rund 672.000 €, wenn sie die Rente mit 63 beantragt, oder rund 709.000 €, wenn sie bis 67 wartet. Beides in heutiger Kaufkraft und vor Einkommensteuer. Am stärksten verändern Ausgaben und Rentenhöhe das Ergebnis.
Wie hoch ist der Abschlag, wenn ich mit 63 in Rente gehe?
0,3 % für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze. Ab Jahrgang 1964 sind das mit 63 48 Monate, die Rente ist also lebenslang 14,4 % niedriger.
Kann ich mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen?
Ab Jahrgang 1964 nicht. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren beginnt für diese Jahrgänge mit 65. Für ältere Jahrgänge gelten niedrigere Altersgrenzen.
Darf ich neben einer vorgezogenen Rente arbeiten?
Ja. Seit 2023 gibt es bei vorgezogenen Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Du kannst auch eine Teilrente von mindestens 10 % der Vollrente beziehen und in Teilzeit weiterarbeiten.
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